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Die PhD Dissertation, deren Aufbau und Inhalt

Diese Notizen stammen aus einem Meeting der ISRG des Studiengangs Informatik des University College London UCL.

Eine Dissertation ist:

Eine Dissertation ist die Erfassung, systematische Dokumentation und Verbreitung von einer originären Forschung, d.h. neuem Wissen.

Um dies zu demonstrieren hat der Autor zu belegen das er/sie mit dem aktuellen Stand des Wissens des Forschungsgebietes vertraut ist und sollte einschätzen welches die jeweilige Stärken und Schwächen dieses Wissensstandes sind. Damit eine Arbeit neues Wissen darstellt ist eine Bedingung das angemessene und systematische Methoden verwendet wurden um eine Hypothese ein Forschungsproblem oder die Forschungsfrage zu evaluieren.

Es ist ausschlaggebend das "neues Wissen" sich nicht auf den Wissenstand des Forschenden bezieht sondern auf den der Forschungsgemeinschaft. In der Vergangenheit kam es vor das PhDs nicht vergeben wurden weil Arbeiten die dasselbe Problem behandelten wenige Wochen vor Abgabe der Dissertation veröffentlicht wurden. Originarität, Neuheit im Bezug auf bestehende Ideen die auf eine bestimmte Art neues Wissen betragen ist der Grundgedanke des PhD.

Zudem muss die Dissertation kritisch und reflexiv sein. Die Arbeit selbst muss die Kriterien enthalten nach der die Arbeit evaluiert werden soll. Die Prüfer spielen kein Ratespiel um festzulegen woraus der Beitrag zum Wissen besteht, sondern in der Einleitung der Disseration wird beschrieben was, wie und warum erforscht werden soll und was die erhofften Ergebnisse sind - und zum Abschluss der Arbeit sollte kritisch und ehrlich beschrieben sein ob dieser Ansatz, Methoden und Methodologien angemessen waren, ob die Ziele erreicht wurden und welche Ansätze möglicherweise besser geeignet gewesen wären. Wo die Grenzen und Vorbehalte der Ergebnisse liegen.

Eine PhD Dissertation muss enthalten:

Wissen, Verständnis und Anerkennung des Fachgebiets
Eine kritische Analyse relevanter/verwandter Arbeiten
Hieraus lassen sich Motivation und Relevanz erkennen sowie wer die Akteure des Fachgebiets sind.
Womit sich diese Akteure beschäftigen, womit sie sich nicht beschäftigen, wo Lücken im bestehenden Wissen existieren und Bezüge zum eigenen Vorhaben, der eigenen Arbeit herstellen.
Relevanz der eigenen Arbeit.
Woraus besteht der Beitrag zum Wissen? Ist dies eine inkrementelle Erweiterung des aktuellen Wissensstandes, eine Evolution der bestehenden Arbeiten, usw.? Man sollte nicht versuchen zu originell zu sein und keine relevanten Arbeiten vergessen oder ausgelassen haben.

Was eine PhD Dissertation nicht ist:

Eine Tagebuch durchgeführter Arbeiten.
Um einen PhD zuerkannt zu bekommen muss die Arbeit so präsentiert werden das sie für andere zugänglich ist und die Meisterung eines bestimmten Fachgebietes nachweist. Obwohl PhD Dissertationen sich stark voneinander unterscheiden können wird ein PhD nicht zuerkannt für die Dokumentation von drei Jahren Arbeit oder einem 'Forschungstagebuch'.
Oft unterliegen Doktoranden dem Irrtum das die Arbeit nun gemacht sei und nur noch aufgeschrieben werden müsse. Dies ist nicht so einfach! Die Disseration ist der PhD! Egal wie wichtig die Arbeit der vergangenen Jahre war, was am Ende zählt ist die schriftliche Dissertation.

Ein PhD ist keine Sammlung von Papers.
Einige Universitäten sehen dies für erfahrene Mitarbeiter vor, doch die Anforderungen sind hier ausserordentlich hoch. Die Dissertation folgt einem bestimmten Thema. Vom Aufbau entspricht die Dissertation einem Buch - sie ist jedoch kein "Buch" sondern ein wissenschaftlicher Text der einem bestimmten Format folgt. Was möglich ist, ist einige Papers zu als Kern eines PhD zu verwenden.

Der PhD ist kein 'grosses' Projekt für das 'letzte Jahr'.
Obwohl einige Projekte aus dem dritten Jahr durchaus hervorragend sein mögen, verfügen die meisten oft nicht über ausreichend kritische Analyse und Reflexion oder wissenschaftliche Methodologie.

Keine einsame Reise:
Es ist wichtig während des Schreibens die Meinung anderer Personen zur eigenen Forschung und deren Argumenten einzuholen, und sei dies nur zum Korrekturlesen. Man braucht zudem einen erfahrenen Betreuer der einem mitteilt wann es genug ist! Dies stellt oft das grösste Problem dar.
Als die Person die tief involviert ist hat man selbst das schlechteste Urteilsvermögen was gut oder weniger gut gelungen ist und man ist auf Rat von Aussen angewiesen.
Es gilt auch zu bedenken das sich die Dissertation an einen konkreten Leser richtet (z.B. einen Betreuer) - und nicht für den Verfasser geschrieben wird. Man sollte die Dissertation deshalb von viele Menschen lesen lassen um herauszufinden welche Teile verständlich sind und welche nicht. Man sollte so schreiben das es eine allgemein gebildete Person den Text verstehen kann und Fachbegriffe sollten erklärt werden.

Der typische Aufbau einer PhD Dissertation

Hinweis: Die Anzahl der Kapitel ist oft eine ungrade Zahl und liegt zwischen 5 und 9. Dies hier ist nur ein Beispiel.

John Langrish spricht von vier Abschnitten: Zuerst einem Überblick über das Gebiet d.h. was andere geleistet haben. Ein Teil Methodologie mit dem demonstriert wird das man mit Methoden vertraut sei. (Methoden sei das was man tue. Methodologie sei wissen um Methoden.) Drittens: Was man tatsächlich getan habe und die Ergebnisse dessen was man entdeckt habe. Dem folgten, viertens, Schlussfolgerungen, was diese Schlussfolgerungen bedeuten und warum dies Wissen relevant sei und einen Unterschied mache.

Abstrakt
1. Einleitung
Hier beschreibt man das Feld und erklärt woraus das Forschungsproblem/die Forschungsfrage besteht. Der Aufbau der Dissertation wird beschrieben sowie der Beitrag zum Wissenskanon (3-5).
2. Hintergrund
Übersicht über das Feld und den Kontext. Ausführung der eigenen Motivation. Die Erklärung des Forschungsproblems und die Ausführung der eigenen Motivation zeigen auf als was man den PhD bewertet haben möchte - als technisches Verfahren, neurartigen Prozess, wissenschaftliche Methode, Theorie, Philosophie, etc.
3. Verwandte/relevante Arbeiten
Übersicht und kritische Beurteilung bestehender Arbeiten und Verhältnis zur eigenen Arbeit.
4.-6. Analyse, Design, Umsetzung und Interpretation der Ergebnisse
7. Kritische Beurteilung der eigenen Arbeit
Besprechung der Hypothese oder des Forschungsproblems, der Forschungsfrage, Gründlichkeit, Beitrag, und Vergleiche zu den Arbeiten die am ähnlichsten sind.
8. Zukünftige, weiterführende Arbeiten
9. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen, Erwähnung des Wissensbeitrags.
Appendix
Literaturverzeichnis

Bemerkung:

Ein PhD ist durchschnittlich um die 150 Seiten lang (Bei Langrish 270 Seiten/dies mag am geforderten Format von doppeltem Zeilendurchschuss und ein-seitigem Druck liegen den einige Universitäten vorschreiben). Dazu kommen möglicherweise noch 50 Seiten für einen Appendix und das Literaturverzeichnis.
Man sollte sich vorsehen zu viel und langweilig zu Schreiben. Dazu sollte man seine Kommunkationsfähigkeit verbessern. Dies sollte Teil der Seminare zum Forschungs-Training sein die von Universitäten angeboten werden. Oft sind diese eine Reihe von Block-Seminaren und Summer-Schools im ersten Jahr.

Noch ein wichtiger Anhaltspunkt: 2-3 Konferenzen, oder 1-2 Papers in angesehenen Journalen (Design Issues, Design Studies, Leonardo Magazine etc.) könnten hilfreich sein für die Kapitel 4,5,6 und hierbei den Kern der Dissertation darstellen. Man sollte bedenken das das Feedback der Gutachter ausserdem sehr wertvoll sein kann weshalb alle PhD Doktoranden versuchen sollten ihre Arbeit zu publizieren (Das Feedback ist sogar hilfreich für den Fall das sie nicht publiziert wird).

Präsentierbarkeit nicht vergessen! Genau sein in allen Bereichen, besonders in der Formulierung des Forschungsproblems/der Forschungsfrage, dessen Lösung, der Beschreiben der Methoden und des theoretischen Rahmens. Systematik, Gründlichkeit, Genauigkeit, Vollständigkeit und eine kritische Haltung sind der Kern der wissenschaftlichen Arbeit. Es obliegt dem Doktoranden zu beweisen das der Beitrag zum Wissenskanon auch gegeben ist.

7 oder 9 Kapitel geben der Arbeit einen umfassenden Eindruck, scheinbar gibt es Belege die diese Ansicht unterstützen.

letzte Änderungen: 20.4.02015 12:44

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