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Was ist so interessant an interaktiven Environments?

Auf dieser und den folgenden Seiten 'interaktive Environments' werden im Detail die Methoden, der methodologische Rahmen sowie die einzelnen Phasen meiner praxis-geleiteten Ph.D. Forschung am Art & Design Research Centre der Sheffield Hallam University dargestellt.

Seit Mitte der sechziger/siebziger Jahre gibt es in der Kunst die Tendenz sich mit Telefon, Television, Telefax bzw. Technik auseinander zu setzen, vereinzelt bereits früher wie etwa die Futuristen in den 20er Jahren.

All das sind Technologien die Entfernungen verschwinden lassen. Die die Erde zusammenschrumpfen lassen. So sagenhaft wie die Siebenmeilenstiefel aus dem Märchen. Nur gewöhnen wir Menschen uns unheimlich schnell an diese Märchentechnologien, ändern unsere Gewohnheiten und unser Leben danach. Das Neue verliert seine Besonderheit, wenn es ins utilaristisch in das Leben integriert werden kann.

Keiner sieht im Fernsehen, im Telefon oder Telefax noch etwas aussergewöhnliches! Arthur C. Clarke sagt dazu "Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic." Und an diese Magie gewöhnen wir Menschen uns ganz schnell - ob sie nun fortgeschritten ist oder nicht. Und erst nachdem das Neue das Alte verdrängt hat versuchen wir zu begreifen was uns denn das Alte bedeutet hat. Meistens gelingt das nicht mehr.

Telefon, Tele-vision, Telefax verbinden uns mit Menschen, aber auch mit anderen Orten. Da es immer um geografische Entfernungen geht haben sie das Interesse auf die Erde, den Erdball, den Globus und Landkarten gelenkt. Da der Mensch sich diese Entfernungen und Zusammenhänge kaum vorstellen kann nahm er mehr und mehr Landkarten zur Hand, um zu sehen wo in der Welt sich die anderen aufhalten, wo dies oder jenes nun passiert. Und wir arbeiten sowieso gerne mit visuellen Hilfsmitteln die unserer Vorstellung nachhelfen, ihr eine konkrete Form geben.
So hat uns technischer Fortschritt gleichzeitig zwei Gegensätze präsentiert. Wir können nicht nur an weit entfernte Orte telefonieren, sehen und schreiben - sondern wir können nun auch immer schneller und sicherer selbst dorthin reisen. (Falls man das Reisen nennen kann.)

Einerseits wurde Reisen, Individualverkehr, Flugreisen, und Zugreisen immer einfacher, andererseits wurden auch die Alternativ-Techniken es zu vermeiden Atome durch die Welt zu schieben, immer besser.

Eben Telefax, Telefon, Television.

Ich vermute das die wenigsten Künstler "bewusst" entscheiden mit welchem Inhalt sie arbeiten wollen.
Sie entscheiden sich eher für ein Medium. Wollen mal was mit Video machen. Einfach so.
Als "Kinder der Zeit" sind sie Katalysatoren durch die der Zeitgeist spricht. Aber nur die besten, sehr bewussten Künstler haben auch dies zu sagen.
Genau dort trennt sich die Spreu vom Weizen. Weshalb die meisten Ausstellungen interaktiver Kunst kryptisch, unverständlich oder schlichtweg banal sind.

Es hat lange gedauert bis mit der zunehmenden Verbreitung von Telefon, Telefax und Television verschiedene Kunstprojekte aufkamen die mit diesen Entfernungen bewusst gearbeitet haben. "La Plissure du Text" von Roy Ascott hat 1980(?) Leute verschiedener Kontinente gemeinsam eine Geschichte schreiben lassen. Die Geschichte wurde gezeichnet und geschrieben, und am Ende des Tages wurde sie einige Zeitzonen weiter gefaxt wo ein anderes Team übernahm. Das spannende daran war nicht die Geschichte an sich, sondern das Bewusstsein der Teams das die Kollaborateure auf einem anderen Kontinent in einer anderen Zeitzone daran arbeiteten. Das hat allem ein besonderes Gefühl von Verbundenheit und Bedeutung verliehen. Hier war das Medium die Botschaft. Spannenderweise hat Roy Ascott schon in den sechziger Jahren(?) vom orbital Blick, global consciousness gesprochen.
Mit den Entfernungstechnologien Telefon und Flugzeug sowie den Landkarten kommt nun auch der Blick von oben herab auf die Erde und gleichzeitig ein Bewusstsein für die grossen Zusammenhänge eine Öffentlichkeit. Raumfahrt kommt auf. Etwas zeitverzögert fällt dies mit den ersten Bildern von der Erde aus dem Weltraum zusammen, den bewegten Kommentaren von Astronauten die beschreiben wie zart und empfindlich die Atmosphäre wirkt, und das aus dem Weltraum keine Grenzen sichtbar sind, nur verschiedene Kontinente. Und der Blick der Astronauten ist auch ein politischer, neben fehlenden Grenzen sind verschmutzte Flüsse, brennende Wälder sichtbar. Das war 1972. Einen orbitalen Blick hat jeder Computerbesitzer nun mit Google-Maps.
Zum weltweiten Blick kommt der weltumspannende Handel, Ströme von Waren die von den unterschiedlichen regionalen Ressourcen und Löhnen profitieren und subventioniert über den Globus bewegt werden. Globalisierung und das Umweltbewusstsein beginnen hier.

Erst dieser Blick hat die Erde als Ganzes gezeigt und die Menschen für diese Perspektive sensibilisiert. Der Astronom Fred Hoyle sagte 1947 "Once a photograph from earth from outer space is seen, the humanity will never be the same."
Erst der bildliche Beweis, das die Erde wirklich rund ist, hat jedem ein klares Bild in den Kopf gesetzt.
Durch das Erkennen der begrenzten Oberfläche, wurde die Limitierung der Ressourcen sichtbar.
Die Begrenzung der Oberfläche machte deutlich, wie wichtig eine saubere Umwelt für das weitere bestehen der menschheit ist.
Nur durch den grossen Überblick- mit Abstand und sichtbar für den visuell veranlagten Menschen- über die Weltraumbilder der Erde als kleine Kugel, ist dieses Erkennen der Zusammenhänge, dieser Paradigmenwechsel der Erde als in System, möglich gewesen.

Bis dahin war das reines, rationales Wissen und keine Erfahrung. Nun war es ein klares, wunderschönes Bild der Erde als Kugel aus dem Weltraum, das auf vielen Titelseiten abgebildet wurde und das schnell zu einer Ikone des zwanzigsten Jahrhunderts wurde.

Und wieder kommt es zusammen mit der Technik. Das wir diese Bilder und Kommentare von Astronauten haben, haben wir Forschung, Wissenschaft und Technik zu verdanken.

Interessante Randbemerkung: Anstatt das Raumfahrt den Blick auf die Sterne und Planeten gelenkt hat - hat sie uns den Blick zurück gegeben. Den Blick auf die Erde - und damit in den Spiegel in dem wir unser Treiben, Rassismus, Verfolgung, Umweltzerstörung, Industrialisierung, Rodung, Verklappung von Abfällen in den Ozeanen erst sehen konnten. Das alles als Resultat dieser neuen, göttlichen Perspektive aus dem Orbit die wir der Technik zu verdanken haben.

Was die Menschen beschäftigt beschäftigt die Kunst.
Einige Künstler fingen intuitiv an sich mit diesen neuen globalen Bildern und Globalisierungstechniken zu beschäftigen.
Das hat vor allem damit zu tun das Technik jeden Lebensaspekt durchdringt. Von der In-Vitro Fertilissation, dem Maschinenlesbarenausweis - bis zum High-tech Tod.

Technik verändert wie wir die Welt sehen, wie wir uns selbst sehen und wahrnehmen, was wir von Geräten erwarten, unser Verhalten - und damit Uns selbst. Was Mensch-sein bedeutet! Währen wir denken wir machen die Technik - macht die Technik uns!

Genau darüber hat Heidegger 1927 bereits nachgedacht: "Was ist die Essenz von Technik?" Was macht Technik mit uns?

Wir denken wir machen Technik - in Wirklichkeit jedoch "macht" Technik uns! Während wir glauben dem Hund Stöcken-holen beizubringen kann man es auch so sehen das der Hund UNS trainiert Stöckchen zu werfen.

Heidegger sagt das es einfacher sei die Wahrheit von etwas zu verstehen wenn sie als Kunst oder Poesie daher kommt. Er meint dass nur die Künste in der Lage seien die interessanten Fragen zur Zeit zu stellen. Gibt es viele gute Beispiele. Karrikaturen zum Beispiel.

Die Firmen die uns die Technik bringen werden sich niemals die Frage stellen: Was macht unser Produkt mit den Menschen? Wie verändert das Ding die Gesellschaft? Wie wird es den Menschen in 10, 20 oder 100 Jahren verändern?

Die Konsumenten die ein Produkt brauchen und verbrauchen fragen sich dies auch nicht. Es wird gekauft werden weil es es gibt.
Die Politik schon gar nicht mehr, die Politik organisiert nur noch den Rahmen für die Industrie die die Produkte erzeugt die die Konsumenten verbrauchen. Die müssen wir vergessen. "A change has come over our democracy, it is called consumptionism, the american citizens first importance to his country is now no longer that of a citizen but that of a consumer." Schrieb bereits 1927 ein amerikanischer Journalist.1

Der Blick, sagt Martin Heidegger, alles zu quantifizieren macht aus Wäldern "Bestand" ("standing reserve"), einen Wert der sich messen lässt, und bezahlen lässt. So wird die Natur ein messbarer Wert. Arbeitskraft - ein messbarer Wert. Saubere Luft - ein messbarer, bezahlbarer Wert. Wenn Deine Fabrik die Luft verschmutzt musst Du zahlen. Zahlen muss natürlich der Verbraucher am Ende. Die Umwelt und die kommenden Generationen.

Alles was messbar ist wird zum messbaren Wert. Alles was nicht messbar ist, also heilig, mystisch und natürlich fällt aus diesem Rahmen und unter den Tisch. So bringt uns Technik die Gefahr unsere Menschlichkeit zu verlieren. Weil wir die ganze Welt als ein "Lager" sehen aus dem man sich bedienen kann. Meint Heidegger. (Ein Beispiel ist die industrielle Tierschlachtung. Wie würdelos, gefühllos und mechanisch die Schnitzel in unseren Kühlregalen geschlachtet wurden. Voller Antibiotika und Tranquilizer. Ohne Ritual, ohne Respekt. Die Frage ist nicht ob Kühe und Kälber sprechen können oder bewusst sind, sondern ob sie leiden können. (Jeremy Bentham))

Und sagt aber dazu das es die Kunst sei die am besten geeignet sei uns vor diesen monströsen Veränderungen, diesem subtilen Wandel, dieser tödlichen Gefahr für das Mensch-sein auseinanderzusetzen!! Wer sonst? Die Politik nicht (höchstens das Verfassungsgericht ...), die Konsumenten nicht, und die Firmen schon gar nicht. Unternehmen sind meist kopflos, ohne langfristige Perspektive die ausschliesslich im Interesse der Aktionäre handeln. In Quartalsperspektive.

Laut Heidegger lastet also die Verantwortung sich nun mit Ebay, geklonten Schafen, Flüchtlingströmen, dem Internet, Computern, mobiler Telefonie, Umweltverschmutzung, Bildtelefonen, Organhandel und "Dritter Welt" auseinandersetzen sollten. Tun manche auch. Leider oft nicht kritisch oder distanziert genug.


Was fundamentaler ist, ist jedoch das was auf uns zukommt: Nanotechnologie, Gentechnologie, Biotechnologie - alle in voller Beschleunigung durch Computertechnologie.
Einige "kleine" Entwicklungen, kombiniert miteinander bewirken "Grosse" Verschiebungen und Veränderungen. (So wie das Internet gerade mit WIKI's, RSS, location based media, mobile media/bluetooth, semantic-social networks (FOAF), Google Local, Google Earth und blogs revolutioniert und neu erfunden wird.) Hier konzentriert sich alles auf Computertechnologie und auf das Internet.

Randbemerkung: Es sollte 10 Jahre dauern bis das menschliche Genom von einem Internationalen Konsortium entziffert sein sollte wurde im Jahr 2000 angekündigt. Craig Venter hat einfach zwei Jahre gewartet, in denen wesentlich schnellere Rechner zur Verfügung standen, die schnellsten Rechner gekauft - und war nach zwei Jahren damit fertig und hat sich Teile davon patentieren lassen. Nach zwei Jahren Wartezeit waren die Rechner so schnell geworden! Das seit Wochen der Blick ins arbeitende Gehirn möglich ist ist auch ein Resultat von Computer und Software.

Im Juli 02005 war in den Nachrichten das Forscher nach kurzem in der Lage waren bei 20 Testpersonen denen der Western "The Good, the Bad and the Ugly" gezeigt wurde allein am Bild des aktiven Gehirns zu erkennen welche Szene sie gerade sahen!

Es reicht aber nicht das sich ein Künstler einen Computer anschafft und dann denkt er ist damit auf der richtigen Seite und Avantgarde. Das ist ein Trugschluss. Es sind die Inhalte die zählen. Was, Wie, Warum. Zur Zeit passieren interessante im Design, und hier müssen wir einen kleinen Ausflug ins Design machen, genauer ins Produktdesign.

Was ist der Unterschied zwischen Kunst und Design? Zu fragen was die AUFGABE von Kunst beziehungsweise von Design ist ist einfacher.
Design beantwortet Fragen. Kunst stellt Fragen. Design löst Probleme, Kunst macht Probleme. Sollte sie zumindest.

Ein Designer entwirft einen Busfahrplan. Er bringt die Daten, die Uhrzeiten, Bus-Linien, Wochentage in eine Ordnung. Wenn die Menschen nicht in der Lage sind schnell und ohne grosses Nachdenken die Abfahrtszeiten zu lesen hat der Designer seine Arbeit nicht richtig gemacht, seine Aufgabe nicht erfüllt. Das ist wie die Kleidung des sprichwörtlichen Gentleman: "I hold that gentleman to be the best-dressed whose dress no one observes." (Anthony Trollope) Man kann auch sagen dessen Kleidung niemandem aufgefallen ist.
Im Design geht es um Nutzen, Handhabung, Gebrauch, Funktion. Fast wie ein Werkzeug. Design macht Information verständlich und offen-sichtlich, transparent. Das kann auch Nutzen sein: Wie benutze ich ein Werkzeug? Wie öffne ich eine Flasche? Erst in der Produktkultur wurde Design zur Kosmetik ein fertiges Produkt neu zu "verpacken". Weshalb gerade viel von "Emotional Design" gesprochen wird. Aber Design war immer emotional.

Kunst hingegen ver-birgt eine Erkenntnis. Und durch den Prozess des Ent-bergens, Auflösens, de-konstruierens, Be-greifens, Ver-stehens erkennen und gelangen wir zu dieser Erkenntnis. Oft ist das eine völlig andere als der Künstler im Sinne hatte, und auch jeder Besucher nimmt eine andere Erkenntnis daraus mit. Zwei Leute lesen dasselbe Buch - und doch liest jeder sein ganz eigenes! Genau so ist es mit Kunst in Galerien und Museen. Film. Wir können nur das sehen wozu wir bereit sind. Wir konstruieren uns uns unsere eigene Welt! Jeder seine eigene.

Manchmal kommt die interessante Kunst von Designern. Das kommt daher das obwohl "Design" seit den 80ern schrecklich in Mode ist - Design eigentlich am Ende ist. Wir haben alles, und alles ist mehr oder weniger fertig entworfen, gestaltet. Zwar werden die Knöpfe an jedem Toaster im Zweijahres-Rhythmus verschoben, aber das hat mit Modetrends zu tun. Kosmetik.
Die Konsumenten müssen sich doch den neuen Toaster anschaffen obwohl der alte Toaster gut funktioniert. Das ist die Konsumspirale: Nur dadurch das wir seit den 50ern von Produkten die notwendig sind, zu Produkten die trendy sind gewandelt haben konsumieren die Menschen immer mehr Dinge die sie nicht brauchen. Die Industrie hatte damals Angst das der Markt irgendwann einmal gesättigt sein könnte, und so wurde die Werbung mit Psychologie verbunden um uns Dinge kaufen zu machen die wir nicht brauchen um uns als Personen zu definieren, so kam der Individualismus des Westens auf. Das man ist was man hat. Haben statt sein. Und da haben die Designer mitgeholfen. Kräftig.

Nun sind wir allerdings Ende der achtziger an dem Punkt wo Produkte "post-optimal" zu werden begannen. Toaster sind "fertig", da gibt es nichts mehr zu designen. Und unser aktueller Toaster erzeugt 10 Sekunden bevor das Brot hüpft ein grausiges Pfeifen. Post-optimal.

Nun gibt es also einen Trend im Design Produkte zu machen die doppeldeutig, doppelsinnig und ambivalent sind. Ein Stuhl der auch ein Tisch sein kann. Ein Tisch der mit Absicht wackelt oder ein Becher der ein Loch hat das man mit dem Finger abdecken muss um ihn benutzen zu können. Ein Glas das nur stehen kann wenn es an ein anderes, gleiches Glas gesteckt wird. (Kristina Niedderer) Der Nutzen wird nicht automatisch deutlich, ist nicht vordergründig.

Die Objekte stellen Fragen. Die Dinge beginnen uns Fragen zu stellen. Was ist eine Tasse? Was macht man mit einer Tasse? Geselligkeit, Partnerschaft, zusammenleben, Single-leben. Diese Tasse muss man - wieder - ganz bewusst benutzen, oder es gibt ein Maleur. So lernt man die Welt wieder bewusst zu sehen. Wie ein Kind. Dinge bewusst zu gebrauchen. Mit frischem Blick.
So wie man erst mit gebrochenem Bein merkt wie schwer und gehen, tanzen, balancieren ist. Und man es wieder neu lernen muss.
Die Künstler spielen am Computer - und die Designer, gelangweilt im Zeitalter der Postoptimalität, stellen die interessanten Fragen, machen interessante Kunst.

Menschen die Kunst machen sind Künstler. Also sind Designer nun die neuen Künstler.
Wäre das auch geklärt.

Interessante Kunst ist unter anderem Kunst die sich mit aktuellen Themen beschäftigt. In aktuellen Fall mit Globalisation, was die Telefone und Videochats und das Internet, die Gentechnik und Nanotechnologien mit uns machen werden. Das ist die Verantwortung die auf der Kunst lastet. Das hat sich in den vergangenen Jahrhunderten rapide gewandelt. Künstler machen keine netten Bilder mehr - sondern stellen als Seismografen der Gesellschaft Fragen über diese Gesellschaft. Bewusst oder unbewusst fragen sie nach der human condition. So hat sich die Kunst in den vergangenen 30 Jahren gewandelt. Die Themen der Zeit sind andere geworden.

Wenn wir nun eine Art von Kunst herausgreifen nicht Nano-kunst, nicht Gen-kunst sondern die die sich damit auseinandersetzt was es bedeutet die Erde von oben zu sehen, die Entfernungen behandelt, Ortsverschiebungen und Zeitverschiebungen, Kulturverschiebungen, Telepräsenz - uns an andere Ort führt - oder andere Orte hierher bringt.

Das Neue und der Inhalt
Meistens sind die Technologien die uns an andere Ort führen darauf ausgerichtet uns zu unterhalten. Die Kinoleinwand wird grösser und grösser, der Sound besser und besser. Das Fernsehen ebenso.
Das Fern-sehen ist nur fern-sehen wenn die Nachrichten gesendet werden und wir Live-aus-Baghdad dabei sind. Sonst ist es eine eindimensionale Blendungsmaschine die uns die Zeit stiehlt indem sie uns an den Sessel bindet und mit fremden flachen Ideen und Bildern füttert. Und vor jeder Werbepause Erfüllung in Aussicht stellt, die es nie geben kann, ein endloses Vorspiel das zu keinem Abschluss kommen wird, kann, darf.

Das Tele-fon ist nicht zum fern-hören sondern ein Dialogmedium, mit dem wir uns mit einer anderen Person unterhalten. Und es funktioniert ganz gut damit. So gut das wir woanders sind wenn wir telefonieren, nicht mehr 100% hier. Wir treffen uns mit der unterhaltenden Person an einem dritten, imaginären Ort. Deswegen passieren Unfälle beim Autofahren wenn Menschen gleichzeitig telefonieren.

Auch andere Dinge werden immer überwältigender. Die Besucher des Kinos werden überwältigt. (Oliver Grau) Gewöhnen sich an den guten Sound und die Spezialeffekte. Den besseren Sound. Reizüberflutung. Stumpfen ab. Und erst nach einiger Zeit merken wir das die Inhalte fehlen.

Aus diesem Grund befinden sich Imax-Kinos in der Krise. Die meisten haben das Medium gesehen und es ist nicht mehr Neu.
Leider haben die Betreiber vor lauter Neuigkeit des Mediums, der Riesenleinwand, dem 3D und dem Dolby-Sound den Inhalt vergessen. Wenn Menschen ein neues Medium benutzen ist das Medium der Inhalt. Man staunt. Überwältigt die Sinne. Sinnesreize. Deshalb galt im neunzehnten Jahrhundert Geschwindigkeiten über 30 kmh als gesundheitsschädlich, da die Menschen das als Raserei empfanden. Man dachte das schädigt das Gehirn. Aber Menschen gewöhnen sich an die Umwelt und passen sich an. Deswegen sind wir so erfolgreich. Und die einzige Spezies die auf jedem Kontinent anzutreffen ist.

Wenn man lange 220 kmh gefahren ist erscheinen einem 130 km/h wie 30km/h. Deshalb sind an den Autobahnausfahrten auch immer Spuren von Autos zu sehen die die Kurve nicht gekriegt haben. Wir Menschen gewöhnen uns ganz schnell an starke Sinnesreize und brauchen stärkere. Das ist eine Art Wettrüsten der Unterhaltungsindustrie, der Kunst, der Autos und der Toaster. Der MTV Videos. PowerYoga. Tiefer, breiter, schneller.

Wenn sich die Menschen an eine neue Technologie gewöhnt und sattgesehen haben und die Inhalte immer noch fehlen bleiben sie zuhause.
Es kommt kein Geld mehr rein und das Imax macht zu. Fertig.

Zur Kunst muss man dann sagen das dies nicht der richtige Weg ist.
"Dies" bedeutet: Technik um der Technik willen zu benutzen ohne Inhalt oder kritisch zu hinterfragen. Selbstzweck.

Der richtige Weg wäre demnach die Technik so zu einzusetzen das sie bewusst reduziert oder abstrahiert ist und transparent. Damit die Leute Zusammenhänge, Ursache und das Erlebnis begreifen können. Das hat Francis Bacon so schon in "Neu-Atlantis" beschrieben. Aufklärung.

Nicht grell, verwirrend laut und damit abstumpfend sondern leise, subtil, einfach. Zum hinhören und hinsehen anregt. Verspielt. Die Sinne anregt (anfassen). Verständlichkeit. Durch diese intelligente Abstraktion, Reduktion kann man das Kunstwettrüsten vermeiden. Denn nur so können die Leute kritisch und wach bleiben und sich mit dem Inhalt(!) anstelle des Mediums auseinandersetzen. (Oliver Grau)

Es gibt kaum gute Beispiele - die meisten Medienkünstler haben dies noch nicht begriffen und arbeiten Inhaltsfrei.
Die meisten Kuratoren haben ebenfalls keine Ahnung und deshalb Angst Fehler zu machen.
Und so sind Besucher von Medienkunst nur verwirrt, frustriert und begreifen nicht dass nicht sie zu dumm sind zu verstehen - sondern Medienkünstler zu egozentrisch, unerfahren und unreflektiert zu schöpfen.
Das hat verschiedene Gründe. Berufskünstler können nichts, haben keinen Beruf gelernt. Sie können nichts richtig. Sie sind ignorant, d.h. nicht offen neuem gegenüber. Und arrogant, denken sie kennen schon alles - und der Besucher zu blöde. Man muss ihn entweder belehren oder beleidigen. Kunst hat mit Erfahrung, Intelligenz und Können zu tun. Leider kann man das an den Schulen und Universitäten nicht lernen.

Meine Arbeit ist also eine interaktive Weltkarte auf der Menschen herumlaufen und Radiosender hören können.
Radio ist spannend, ein heisses Medium das einen Sinn für Aktualität und Unmittelbarkeit gibt. Menschen berührt.
Das kann Musik oder Staunachrichten sein. Radio gibt einen sehr guten Sinn für die Atmosphäre eines Ortes.
Ich bringe andere Orte hierher an diesen Ort. Tele-präsent.
Nachtprogramm ist ruhig und entspannt. Morgenprogramm lebendig und schnell.
Die Menschen die meine Karte benutzen machen also die Erfahrung das es verschiedene Kulturen, Sprachen, Wetter, Uhrzeiten gibt.
Sie machen eine Entdeckungsreise um die Welt und realisieren womöglich das es irgendwo gerade Morgen ist. Oder die Sonne untergeht.
Das woanders gerade Winter ist, oder Sommer.
Diese Erfahrung, die Unmittelbarkeit entdecken die Besucher nur wenn sie aufmerksam sind und sich darauf einlassen.

Das passiert in verschiedenen Schritten. Exploration, Immersion, Muster suchen.
Die meisten Besucher sind fasziniert. Einige auch tief bewegt und berührt das sie diese Erfahrung gemacht haben.
So nutze ich das Weltschrumpfmedium Internet um auf die Welt dort draussen, die vielen Kulturen die Tages und Jahreszeiten aufmerksam zu machen. Telepräsenz um andere Ort live an diesem einen Ort zu erleben.
Wenn die Besucher meine Ausstellung verlassen sehen sie ihre Welt mit anderen Augen. Sie sehen das es nur ein Teil einer grösseren Welt ist die genauso lebendig ist wie die ihre. Dadurch das sie Involviert sind und Engagiert machen sie eine persönliche Erfahrung. Das kann das TV nicht leisten.

Was bedeutet es aber für uns?
Technik durchdringt all unsere Lebensbereiche. Gefährdet auf eine schleichende Art und Weise wie wir die Welt unsere Mitmenschen und und selbst wahrnehmen, wie wir kommunizieren. Planen. Leben. Denken.

Und als Künstler/Designer hat man fast die Pflicht sich damit zu beschäftigen. Das kann man tun indem man sich mit aktuellen Techniken beschäftigt und diese Techniken benutzt um auf die Hintergründe, Fallen, Gefahren dieser Techniken aufmerksam zu machen.
Für meine Arbeit könnte das heissen das ich die Livedaten vortäusche - und den begeisterten Menschen hinterher beweise wie leichtgläubig sie sind und sich in die Irre führen lassen. Wie H.G.Wells mit der Landung der Marsmenschen im Radio.
Ist aber nicht meine Motivation. Mir reicht die Kraft die es hat.
Obwohl die, zugegeben, nicht sehr kritisch ist.

Generell sehe ich in der Kombination aus Internet/Telepräsenz/Interaktion ungenutztes Potential für faszinierende Projekte die die Erde, den Globus, andere Kulturen, Distanzen, Zeitunterschiede, Geografie und Sprachen kritisch behandeln können.
Warum? Um Besucher für andere Kulturen, Regeln, Ideen offener und toleranter zu machen. Um ihnen globale Unterschiede bewusster zu machen. Andere Weltbilder besser zu verstehen über Sinnlichkeit wie Musik.

Durch die Dokumentation, Analyse und kritische Reflexion meiner Arbeit hoffe ich das andere Designer/Künstler dies Potential erkennen können, und meinen Rahmen nutzten können für weitere Projekte die "global awareness" "interconnectedness" und "overview effect" erzeugen. Oder aber in der Lage sind Telepräsenzprojekte zu machen die sich kritisch mit den Implikationen von Globalisierung, der Zerstörung von Entfernungen und Nähe sowie dem aufbrechen von gewachsenen Kulturen zu befassen. All das steckt auch dort drin.

Quellen:
1. citizen consumer: Aus der Dokumentation "Century of the Self" Teil I, "Happiness Machines" von Adam Curtis für BBC, 2002.
Transkript: http://hareloco.spaces.live.com/blog/cns!E7089CD7CF32AA20!239.entry

letzte Änderungen: 6.7.02024 20:35

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